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Noch ist es nicht entschieden, ob das Gymnasium Kerpen ein neues Gebäude erhält oder das bestehende saniert wird. Dass dieses Thema ein sehr komplexes ist, zeigte ein Vortrag beim Fortbildungstag des Lehrerkollegiums am 9.3.18.

Egon Tegge, ehemaliger Hamburger Schulleiter, der seit Jahren Schulbauprojekte betreut, informierte in einem sehr instruktiven Vortrag über den Zusammenhang von Pädagogik und Architektur. Zunächst zeigte er sehr deutlich auf, dass die Pädagogik sich in den letzten Jahrzehnten stark entwickelt habe. Wir haben es an der Schule zunehmend mit heterogenen statt homogenen Lerngruppen zu tun, der klassische Lehrervortrag weicht interaktiven und selbstbestimmten Lernprozessen, die Lehrer werden von Einzelkämpfern zum Team, feste Klassen- und Jahrgangangsstrukturen lösen sich mitunter auf, innere und äußere Differenzierung gewinnt an Gewicht. 

Dass die bisherigen Schulgebäude diesen modernen Vorstellungen noch nicht im gewünschten Maße Rechnung tragen, versteht sich von selbst. Wir können es am Gymnasium Kerpen als positive Fügung annehmen, dass wir, d.h. der Schulträger und das Kollegium, seit einiger Zeit über einen Neubau oder eine Grundsanierung nachdenken. Es liegt auf der Hand, dass wir uns dabei mit den Gedanken Egon Tegges intensiv beschäftigen werden. Zu den Ideen, die er vortrug, zählt z.B. eine Clusterlösung, d.h. mehrere Klassen werden zu einer baulichen Einheit zusammengefasst. Dazu gehören das Prinzip "Sehen und gesehen werden", große räumliche Flexibilität, gute Raumausnutzung, auch Flure werden zu Unterrichtszwecken verwendet. Die Idee "Klassenraum Plus" sieht eine bauliche Verbindung von Klassenräumen vor mit teilweisem Verzicht auf Türen, mit der Schaffung vermehrter Transparenz. 

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Egon Tegge


Die Ideen Tegges stießen im Kollegium auf großes Interesse. Es wurde aber auch klar, dass eine intensive Fortbildung von Lehrerinnen und Lehrern erfolgen muss, eine Öffnung zu neuen Unterrichtsformen. Gleichzeitig wurde bei der Fortbildung deutlich, dass die Europaschule Kerpen pädagogisch schon auf einem sehr guten Weg ist; viele der von Egon Tegge als zukunftsweisend formulierten Ideen sind in Kerpen bereits Realität. Dem Vortrag wohnten auch Vertreter des Schulträgers Stadt Kerpen bei, die sich durchaus beeindruckt zeigten.

Wie soll es weitergehen? Im neuen Schuljahr soll im Rahmen der Lehrerkonferenz eine Arbeitsgruppe Neubau/Sanierung gebildet werden, die durch Schüler- und Elternvertreter komplettiert wird. Auch der Schulträger kann an den Treffen dieser Arbeitsgruppe teilnehmen. Unser Wunsch ist es, dass die sogenannte Phase Null von einem durch die Montagsstiftung ausgebildeten Beraterteam, bestehend aus einem Schulbauberater und einem Architekten, moderiert wird. Die Phase Null ist die entscheidende Phase zu Beginn des Neubau- bzw. Sanierungs-Planungsprozesses, weil in ihr die zentralen Weichenstellungen für das gesamte Projekt erfolgen. Ziel der Phase Null ist es, an der Schnittstelle von Pädagogik und Architektur ein tragfähiges inhaltliches und räumliches Konzept unter Beteiligung von Schulträger, Lehrerkollegium, Eltern und Schülerinnen und Schülern zu entwickeln. Im Verlauf der Phase Null wird also eine Intensive Auseinandersetzung mit dem pädagogischen Konzept der Schule stattfinden, mit dem Ziel eine Bedarfsfibel für die Architekten zu erstellen. Anvisiert ist außerdem die Durchführung einer Projektwoche zu Beginn des zweiten Halbjahres im Schuljahr 2018/19, um auf diese Weise alle mitzunehmen, und auch die Expertise der gesamten Schüler- und Lehrerschaft in das auf der Basis des pädagogischen Konzepts zu entwickelnde Raumkonzept zu integrieren. 

Lutz Venatier/Bernd Woidtke