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Die beiden SoWi-Kurse vor dem Reichtstagsgebäude

Dass Berlin eine europäische Metropole ist, muss man niemandem erklären. Auch die mitreisenden Schüler/innen sahen das auf den ersten Blick. "Was hat dir an der Stadt am besten gefallen?" fragte ich Lea. "Die unglaublich eindrucksvollen Bauwerke", meinte sie, "in dieser Häufung sieht man das in Köln nicht!"

Erst im Werden begriffen, aber schon jetzt, gut ein Jahr vor seiner Eröffnung, zeigt das Humboldt Forum, wie kühn Architektur sein kann. Das alte Preußische Stadtschloss war von der DDR-Regierung abgerissen worden, an seine Stelle war in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts der "Palast der Republik" getreten, eine architektonische Scheußlichkeit, die der DDR-Volkskammer eine Heimstätte gab. 2008 wurde dieses Symbol der DDR-Diktatur abgerissen. Man beschloss, an der Stelle das Berliner Schloss wieder aufzubauen. Eine mutige Entscheidung, zumal man weder wusste, wie man das finanzieren sollte, noch, was man mit dem alt/neuen Schloss anfangen wollte. Beide Probleme sind inzwischen geklärt. Man will dort verschiedene Berliner Kunstsammlungen zusammenführen um einen Einblick in die internationale Kultur zu ermöglichen. Der neue Bau soll alte und neue Elemente verbinden, was man in einer eindrucksvollen 3D-Animation im Ausstellungspavillon des Humboldt Forums bewundern kann.

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Modell des alten Berliner Stadtschlosses, rechts dahinter der Berliner Dom, aufgenommen im Ausstellungspavillon des Humboldt Forums

Natürlich hat Berlin noch mehr als Architektur zu bieten, vor allem für SoWi-Kurse. Die Kurs-Leiter Frau Lentzen-Burmester und Herr Janssen hatten ein opulentes Programm zusammengestellt. Das Museum am Checkpoint Charlie zeigt, wie bedrängend die Situation im geteilten Berlin bis zum Mauerfall 1989 war. Die Führung im ehemaligen Stasigefängnis in Hohenschönhausen rief starke Betroffenheit bei den SoWi-Schüler/innen hervor. Eine der beiden Schülergruppen wurde von der ehemaligen DDR-Fernseh-Ansagerin Edda Schönherz durch das Gefängnis geführt. Sie war wegen ihrer kritischen Einstellung zur DDR-Regierung und angeblicher versuchter Republikflucht ins Gefängnis gekommen.

Die East Side Gallery an der Spree, ein 1,3 km langes Teilstück der Berliner Mauer, beeindruckte durch die von 188 Künstlern aus 21 Ländern auf die Mauer aufgetragenen Gemälde.

Der Freitag war angefüllt von aktueller Politik. Im Gebäude des Bundesrates wurde anhand eines Planspiels das Gesetzgebungsverfahren in Deutschland transparent gemacht. Die Schülergruppe hatte sich als Thema die Auseinandersetzung um die "Sterbehilfe" vorgenommen, ein Gesetzesantrag wurde diskutiert und modifiziert. Anschließend ging es in das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Hier sprach man mit Dr. Tilmann Schachtsiek, der anhand konkreter Beispiele aus der Bioökonomie die Diskussionsansätze in der EU-Agrarwirtschaft transparent machte.

Am Nachmittag traf die Gruppe einen Mitarbeiter von Matthias Birkwald, einem Bundestagsabgeordneten der Linkspartei. Die Schüler/innen waren gut vorbereitet und stellten kritische Fragen zu Themen wie Mindestlohn, Mindestrente, Vermögenssteuer und vielem mehr. Die Idee der Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht, eine parteiübergreifende linke Sammlungsbewegung zu gründen, fand bei unserem Gastgeber keine Zustimmung, er verwies darauf, dass es in seiner Partei durchaus auch kontroverse Meinungen gebe.

Beim Rundgang durch Berlin kann man viele interessante Entdeckungen machen. Zum Beispiel den ehemaligen Flughafen Tempelhof, seit 2008 geschlossen, jetzt ein riesiges Freizeitgelände für Jogger, Skater, Radfahrer, für Picnic und Kultur. Oder die diversen Parteizentralen, z.B. das schiffsartige Willy-Brandt-Haus der SPD mit der modernen Skulptur des ehemaligen Bundeskanzlers im Foyer. Oder den beeindruckenden Platz neben der Staatsoper Unter den Linden mit dem Denkmal für die Bücherverbrennung von 1933: einem 5x5x5 Meter messenden Raum unter der Platzebene, in dem leere Regale stehen für 20.000 Bücher. 

Die einhellige Meinung aller Reisenden am Samstag: Die Zeit war viel zu kurz für diese Metropole, oder: Die Stadt ist zu groß und zu vielfältig, als dass man auch nur einen Bruchteil aller Sehenswürdigkeiten erfassen konnte. Da hilft nur eins: nochmal nach Berlin fahren!

Fotos

Bernd Woidtke