Tatjana23 2020 02 11

Auf zu neuen „grünen Wiesen“: Nach 16 Jahren verlässt Schulleiterin Tatjana Strucken das Europagynasium

„Sie haben Ihren Abdruck hinterlassen.“ Als die VertreterInnen der SchülerInnen Schulleiterin Tatjana Strucken mit diesem Slogan und Hunderten von Fingerabdrücken der Lernenden verabschiedete, war die Rührung der „Chefin“ des Europagymnasiums deutlich anzusehen. Es sollte nicht der einzige emotionale Moment für Strucken in der coronakonformen kleinen Abschiedsfeier auf dem Schulhof bleiben. Schon bei den Grußworten der VertreterInnen des Kollegiums, der Fachschaften, der Schulpflegschaft und des Fördervereins fehlten der scheidenden Schulleiterin vor Überwältigung mitunter die Worte. Und als dann mit Marvin Gayes „Ain’t No Mountain High Enough“, interpretiert von den KollegInnen Johanna Gesell und Bodo Gellrich, der Lieblingssong Struckens erklang, rollte auch das ein oder andere Tränchen über die Wange der 45-Jährigen. Mit gebotenem Abstand vom Balkon der Schule aus winkte Strucken schließlich den KollegInnen, Eltern- und SchülervertreterInnen zu: „Ich werde euch vermissen!“

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Nach 16 Jahren am Europagymnasium, davon acht Jahren in der Leitungsposition, verlässt Strucken nun die Schule, um ihre neue Tätigkeit als Dezernentin in der Bezirksregierung Köln aufzunehmen. So sehr sie das Europagymnasium, die KollegInnen, SchülerInnen und Eltern auch lieb gewonnen hat, ist sich Strucken sicher:„Die Weichen sind gestellt, wir haben uns als Team auf den Weg gemacht. Jetzt werde ich gar nicht mehr gebraucht.“

Ihre Zeit am Europagymnasium begann 2004. Schon bald gestaltete Tatjana Strucken das Schulleben auch außerhalb des Unterrichts mit, indem sie 2007 die Leitung des Ganztagsbereichs übernahm. Wo ihr Kollege Hartmut von Boetticher die Ags der Schule koordinierte, gestaltete Strucken die Mittagspause für Schülerinnen und Schüler neu. Ganz praktisch bedeutete das, den Mittelstufenkeller mit Pinsel und Farbe neu zu gestalten. Inhaltlich bekamen die Schülerinnen und Schüler in der „Offenen Mittagspause“ ein breites Angebot an Freizeit-, Sport und Spielaktivitäten, aus dem sie frei wählen konnten und bis heute können.

Der Schritt Richtung Schulleitung entsprang dann genau diesem Wunsch, Schulleben noch weiter gestalten zu können. So übernahm die heutige Schulleiterin im Jahr 2012 zunächst den Aufgabenbereich als Stellvertretung der Schulleitung. Auf die Revision, so erinnert sie sich, bereitete sie sich in den Ferien in der Schule vor: „Meine Kinder waren ein und zwei Jahre alt. Zu Hause hatte ich keine Ruhe.“ Ihr Dank geht deshalb an ihren Mann, Oliver Strucken-Bathke: „Dass ich in die Schulleitung gegangen bin, war immer eine Familienentscheidung. Ohne die Unterstützung meines Mannes hätte ich das nicht geschafft.“

Welche Projekte aus ihrer Zeit als Schulleiterin ihr besonders am Herzen gelegen haben? Zum einen sei das eine Idee, die sie seit ihrer Referendariatszeit schon begleite: Unterricht über Lerngruppen- und Fächergrenzen hinweg zu denken und dementsprechend neu zu gestalten. Zum anderen sei ihr wichtig gewesen, die vielen verschiedenen Initiativen und Ideen am Europagymnasium nachhaltig zu bündeln und eine Teamkultur zu schaffen, die von Austausch und konkreten Verabredungen geprägt ist.

Diese Anliegen prägen das Schulleben des Europagymnasiums heute: In Lern- und Projektzeiten arbeiten die SchülerInnen in ihrem eigenen Tempo an selbstgewählten Schwerpunkten, Klassenleitungen werden in Teams aus zwei KollegInnen durchgeführt, die erweiterte Schulleitung ist als Team organisiert. Um den Bau des neuen Schulgebäudes vorzubereiten, setzten sich Strucken und der für den Schulneubau verantwortliche Kollege Lutz Venatier für die „Phase 0“ ein, bei der die Schulgemeinschaft ein Jahr lang am Konzept für das neue Schulgebäude mitwirken konnte.

Schule als Gemeinschaftsprojekt – eine Haltung, die eben auch darin deutlich wird, wenn Strucken nun sagt, dass sie gar nicht mehr gebraucht werde. Und die Herausforderung, die die gegenwärtige Corona-Pandemie an das Schulleben stellt, bestätigt ihr Bild vom Europagymnasium: „Unsere Schule als Ort des Miteinanders, der gegenseitigen Unterstützung und des Zusammenhalts hat sich auch in dieser Zeit bewährt.“ Für die weitere Entwicklung gibt sie „ihrem“ Kollegium noch mit auf den Weg: „Think outside the box!“ Außerhalb bekannter Muster denken, das ist für Strucken weit mehr als nur eine Phrase, sondern eine echte Herzensangelegenheit. „Die grüne Wiese bespielen und auf ihr weitergehen, das ist mein Projekt“, meint die Pädagogin, die diesen Ansatz fortan gewiss auch im Rahmen ihrer Dezernentinnentätigkeit weiterverfolgen wird. Für die nächste Zeit wünscht sie „ihrer“ Schule, die sie nun verlässt, dass sich alle Beteiligten nicht durch die aktuelle Krise entmutigen lassen – Strucken sieht das Kollegium auf einem guten Weg, bei dem es die Schule als Team von innen weiterentwickeln wird. Ja, es stimmt: Sie hat ihren Abdruck hinterlassen, am Europagymnasium.

Beate Schmitz und Holger Müller-Hillebrand

 

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