Maske nervt 2020 12 01

Drehen wir die Zeit mal ein Stückchen zurück. Anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung der Konzentrationslager möchte ich Euch ein bisschen über den „Lockdown“ der Juden erzählen. Alles, was wir für nervig empfinden, war für die Juden normal: keine Treffen, keine Restaurantbesuche - nichts. Ein ganzes Leben in Angst leben - das war der Alltag der jüdischen Familien, so auch von Familie Capell.

Sie war eine ganz normale Familie, war integriert. Sie wohnten in Kerpen an der Mähnstraße und betrieben eine Metzgerei. 1901 heiratete Benno Capell und Sara, geborene Leiser, in Kerpen. Ihre Kinder Rosa, Hermann, Paula, Fritz und Lotte starben alle beim Holocaust. Benno Capell starb 1933 noch eines natürlichen Todes und ist auf dem jüdischen Friedhof in Kerpen beigesetzt. Doch dann begann der leidvolle Weg der Familie! Sara und ihr Kind wurden 1941 nach Riga deportiert (Fritz war zu dem Zeitpunkt 1 Jahr alt). Rosa, Paula, Hermann und Lotte versuchten, dem Holocaust erfolglos durch die Flucht nach Holland oder Belgien zu entkommen. Rosa, Hermann und Lotte wurden in Westerbork deportiert und interniert. Rosa und Lotte wurden 1943 in Sobibor ermordet, Hermann ebenfalls 1943 in Auschwitz. Paula wurde in Mechelen interniert und 1942 in Auschwitz ermordet. Paula hatte eine zwei Jahre alte Tochter Ruth, die sie bei ihrer Flucht nach Belgien an eine belgische Pflegefamilie abgegeben hat, in der sie überlebte. Sie starb 2015.

Einzig Jenny Capell überlebte den Holocaust in Holland. Sie starb 2001 in Enschede.

Familie Capell war eine ganz normale Kerpener Familie. Sie waren im Karnevalsverein und Fußballverein tätig, zumindest solange bis sie es nicht mehr durften, weil die Nazis sich vorgenommen hatten, Menschen jüdischen Glaubens aus der Gesellschaft auszugrenzen und schließlich zu ermorden. Die Namen wurden nachträglich unkenntlich gemacht, damit keine Juden in Vereinen nachvollziehbar waren.

Vielleicht sollten wir in Momenten, in denen uns die Corona-Vorkehrungen nervig erscheinen und wir glauben, in unseren Freiheitsrechten eingeschränkt zu sein, einmal an die Menschen denken, die mehrere J a h r e mit noch weitreichenderen Einschränkungen leben mussten - vielfach bis zu ihrem Tod.

Die Einschränkungen der Regierung wurden zum Schutz unserer Gesundheit vorgenommen und wahren unsere Grundrechte. Es kann uns also nicht passieren, dass wir von der Straße verhaftet werden, um in ein Lager deportiert und getötet zu werden.

Vor allem aber sollten wir darauf achten, dass wir eine solche Zeit nicht wiederkehren lassen …

Lea Wotzko (Q2)