Hallo ich bin Max Mustermann. Ich bin bereits 40 Jahre alt und ich liebe Paella. Ich arbeite seit meinem 18. Lebensjahr zuverlässig als Dokumenten-Muster der BRD. Mein bester Freund und Wegbegleiter ist Nick Nickname. Zu meinen Eigenschaften zählt, dass ich überzeugter Kapitalist bin, zudem bin ich sehr perfektionistisch. Auf die meisten wirke ich sehr selbstbewusst und eitel, dies sehe ich nicht so. Ich wohne als wohlhabender Mann in einem Einfamilienhaus, in dem ein komplexes Alexa-System eingebaut ist, mit dem ich jeden Morgen um 6:27 Uhr meine Kaffeemaschine bediene.

Es begab sich zu der Zeit des Silvesterfestes im Jahre 2015, meine Freunde und ich waren angetrunken und wir gingen durch die Straßen von Berlin. Dort, wo vor wenigen Stunden noch Jugendliche mit Böllern um sich warfen, herrschte jetzt, um 6 Uhr, Totenstille. Wir entschieden uns, zum Brandenburger Tor zu gehen und dort die Schnapsreste zu trinken. Wir bezeichneten die Schnapsreste jedoch lediglich als „Uwe“ (=Unten Wird‘s Ekelig). Als wir dort angekommen waren, demonstrierte dort eine kleine Gruppe Feministinnen. Auf ihren großen Plakaten, die aus Pappe bestanden, war in großer roter Schrift geschrieben: „Wer grabscht, hat keine Eier“ oder „Besoffen und notgeil, können nur Männer“. Wir entschieden uns, uns etwas abseits zu stellen. Als dann aber das schwule Pärchen aus meinem Freundeskreis anfing, sich wild zu küssen, kam aus den Reihen der Feministinnen ein Schrei einer homophoben Frau, die wie sich herausstellte, Gisela hieß. Wir tranken unsere UWEs und machten uns auf den Weg nach Hause.

-einen Tag später-

Ich wurde von Angela Merkel in den Fachausschuss zur Gefahrenbekämpfung im Internet eingeladen, um dort eine Rede zu den Risiken Fred Formmans, des Dokumenten-Musters der USA, zu halten. Auf dem Weg sah ich in der U-Bahn eine Frau, die ich am gestrigen Abend schon einmal gesehen hatte. Sie musste ein sehr imposantes Auftreten gehabt haben, so dass ich mir ihr Gesicht merken konnte, jedoch war mein Verstand durch meinen Kater sehr getrübt und ich konnte keine wirkliche Verknüpfung herstellen. Sie trug ein weißes T-Shirt von einer mir unbekannten, höchstwahrscheinlich ausländischen Marke und eine graue, schlichte Anzughose. Sie verteilte Visitenkarten und Flyer. Die Frau stieg eine Haltestelle vor mir aus und als sie ausstieg, fiel ihr ihr Personalausweis sowie eine Visitenkarte hinunter. Ich hob sie auf und schaute sie mir aufmerksam an. Unsere Namen waren sehr ähnlich. Da ich so in meinen Gedanken vertieft war, verpasste ich meine Haltestelle und somit auch meinen Vortrag.

Später habe ich mich mit Nick getroffen. Ich erzählte ihm von den Geschehnissen, die sich heute Vormittag in der U-Bahn ereignet hatten. Seine Reaktion schien mir ziemlich überrascht, dafür dass er so ein lässiger Typ ist. Wir riefen bei Maximilia Musterfrau an, um eine gemeinsame Lösung für das Problem zu finden, wann und wo der Ausweis zu seinem ursprünglichen Besitzer gelangen soll. Es meldete sich, wie erwartet eine Maximilia Musterfrau am Telefon. Wir vereinbarten uns in zwei Stunden am Alex‘ (Alexanderplatz in Berlin wo auch der Fernsehturm steht) zu treffen. Nick entschloss sich mitzukommen, da er vorhatte, noch ein paar Samstagserledigungen zu tätigen. Wir machten uns auf den Weg und kamen kurze Zeit später am Fernsehturm an. Nick hatte seinen Teil erfüllt und fuhr mit seinem frosch-grünen Smart forfour von dannen. Nun war ich auf mich allein gestellt. Ich beobachtete die sich bewegende Masse und versuchte irgendwo Maximilia Musterfrau auszumachen. Doch alles, was sich von der eintönigen Masse abhob, war eine kleine Gruppe von Greenpeace-Mitstreitern. Als sich mein Blick dem grauen Boden widmete, sah ich, wie zwei schwarze, gut getragene Sneakers in mein Blickfeld traten. Meine Augen wanderten über die schwarze Anzughose, die wie mir schien, aus der Männerabteilung war, zum weißen etwas weiteren T-Shirt, direkt in ihr Gesicht. Ich schaute direkt in ihre großen leuchtenden blauen Augen. Sie hatte schwarze lange Haare, unter ihren weiten Klamotten steckte, wenn ich mich nicht täuschte, eine schlanke Figur. Ihr Gesicht prägte ein spitzes Kinn und schmale Lippen. Das einzige Manko war eine kleine Pigmentstörung zwischen Schläfe und Augenbraue. „Wo ist mein Ausweis?“ fragte sie schrill. Ich merkte, wie mir das Blut in den Kopf schoss. „Wären sie so freundlich und würden ihn mir geben?!“ Es schien mir als würde sie sich bemühen, freundlich zu bleiben. Ich kramte nervös in meiner Eastpak-Bauchtasche, die ich am Vortag in einem Second-Hand-Laden erworben hatte. Als ich bemerkte, dass der Ausweis nicht aufzufinden war, vibrierte das Handy in meiner rechten Hosentasche, da wir uns wie gesagt auf dem Alex befanden und dieser ein beliebter Erscheinungsort für Pokemon ist. „Oh, entschuldigen Sie bitte, hier ist gerade ein Pikachu erschienen, welches ich noch nicht habe... würden sie mir erlauben, dies als oberste Priorität anzusehen und es kurz zu meinem Pokedex hinzuzufügen?“ Sie versuchte sich ein Grinsen zu verkneifen und holte ihr LG G4 Leon aus ihrem schwarzen Turnbeutel, der mit der Aufschrift „Lieber verrückt als einer von euch!“ bedruckt war. „Ich habe gehört, dass zurzeit Pikachus mit mexikanischen Hüten erscheinen…“ sagte sie so ernst wie möglich. Nachdem ich meinen Pokeball drei Mal verfehlt hatte, schaffte ich es, mein Pikachu mit einem großartigen Wurf zu fangen. Als ich wieder in der Realität ankam, merkte ich, dass ich mich in einer heiklen Situation befand, für die ich eventuell eine Lösung finden sollte. ICH HABE IHREN PERSONALAUSWEIS VERLOREN! „Ähhm Frau Musterfrau? Mir ist gerade aufgefallen, dass sich ihr Ausweis nicht da befindet, wo er sich befinden sollte.“ Sie schaute vom Bildschirm auf und ihre Miene wandelte sich wieder zum Ernsten: „Wollen sie damit etwa Anspielungen darauf machen, dass sie meinen Personalausweis VERLOREN haben?“ Ihre Worte ließen Schuldgefühle in mir aufkommen, jedoch wollte mein Unterbewusstsein nicht akzeptieren, dass die Schuld bei mir lag. „Im Endeffekt haben sie ihn doch verloren, oder?“ versuchte ich zu kontern. Sie rollte ihre Augen und wandte sich schon ab, um zu gehen, doch dann ergriff ich die Chance und rief: „Haben sie Lust, mit mir ein Fair Trade Ben&Jerry´s Eis beim Kiosk an der Ecke essen zu gehen?“ Als Antwort bekam ich nur ein dahingemurmeltes: „WAS SOLL DIE $%&**!E?“

Nike, Niklas und Tilman (9.1)