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Annette Seiche ist die Integrationsbeauftragte der Stadt Kerpen. Man kann vermuten, dass ihr Mobiltelefon im letzten halben Jahr so häufig geklingelt hat wie in den letzten 10 Jahren nicht - sie kümmert sich um die Flüchtlinge in Kerpen, ihre Unterbringung, ihre Integration.

Aber auch darum, dass in der Kerpener Bevölkerung das Verständnis wächst für die schwierige Lage der Flüchtlinge. In diesem Auftrag kam sie am Montag, 9.5.16, an die Europaschule. Kerpen betreut zurzeit 660 Flüchtlinge, das ist ungefähr 1% der Kerpener Bevölkerung. Mit Recht weist sie darauf hin, dass man sich über solch ein Zahlenverhältnis überhaupt nicht aufregen sollte, wenn man es z.B. mit der Situation im Libanon vergleicht: Dort leben eine Million Flüchtlinge bei einer Gesamtbevölkerung von 4 Millionen - 25% der Menschen im Libanon sind Flüchtlinge!

Frau Seiche hatte zwei Flüchtlinge mitgebracht. Khelil und Hussam Zaza sind aus Syrien geflohen. Wenn man nun traurige oder verzweifelte Menschen erwartet hat - zumindest der äußere Eindruck, den die beiden vermittelten, war ein anderer: Zwei fröhliche, zukunftsorientierte Menschen sprachen mit den 10er und 11er Kursen von Frau Lentzen-Burmester und Herrn Dreiner. Sie erzählten, dass schon ihre Großeltern geflohen waren: Als Kurden sahen sie in der Türkei keine Heimat mehr, sie zogen nach Syrien. Ihre Enkel erlebten nun das gleiche Schicksal: den Verlust ihrer Heimat. Sie flohen wiederum in die Türkei, die mit Kurden auch zurzeit nicht gerade menschlich umgeht. Von dort aus ging es mit einem klapprigen kleinen Boot nach Griechenland, auf die Insel Samos. Dann weiter über die Balkanroute nach Deutschland - Endstation Kerpen. Sie zeigten Bilder ihrer Heimat, zerstörte Städte, ausgebombte Häuser, ein Grauen, das wir uns nicht vorstellen können. Sie zeigten sich sehr gebildet: Sie wussten, dass Kriege aus religiösen Gründen immer wieder unendlich viele Menschenleben gekostet hatten, sie setzten sich für die Gleichberechtigung aller Religionen ein. 

Die anwesenden Schülerinnen und Schüler waren zunächst regelrecht sprachlos - ob des Grauens der einbrechenden Realität verständlich. Dann aber fassten sich einige ein Herz: Man fand schnell heraus, dass Englisch die Verkehrssprache ist und führte eine kurzes aber intensives Gespräch. 

Ein großer Dank geht an Frau Seiche, nicht nur, weil sie uns diese Begegnung ermöglicht hat, sondern auch für ihr großes Engagement für die Flüchtlinge in Kerpen!

Bernd Woidtke